Dieser Beitrag handelt über das Akademische Forum für Außenpolitik – die Hochschulliga der Vereinten Nationen (AFA).

Das AFA

Das AFA ist die überparteiliche Organisation Österreichs für alle an internationalen Fragen interessierten Jugendlichen, Schülerinnen und Schüler, Studierenden und Jungakademiker/innen. In Österreich finden jährlich rund 500 Veranstaltungen und Projekte ganz unterschiedlicher Art statt. Die Organisation bietet konkret Diskussionen über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an, genauso wie Exkursionen und Studienreisen oder auch Social Events, UNO-Simulationen, Rhetorik- und Verhandlungstrainings, Lehrgänge als auch Publikationen. Die Aktivitäten sind zumeist in Projekten (wie „VIMUN“ oder „GAP“) bzw. als sog. „Clubs“ .zusammengefasst.

Rhetorik- und Verhandlungstrainings: Der Debattierclub

Gestern, am Tag der Vereinten Nationen, war es wieder soweit: Der Debattierclub bot seine erste Veranstaltung zum neuen Semester an. Dieses Jahr in den ehrwürdigen, wenngleich weniger hübschen Räumlichkeiten, des Juridicums. Die Veranstaltung erfolgt nun nahezu wöchentlich Mittwochs, beginnend um 18 Uhr. Der Ablauf ist simpel. Vor der Veranstaltung wurden sechs Hauptredner auserkoren, die in zwei Teams sich rhetorisch messen. Ein Thema wird vom Club zugeteilt. Per Losverfahren entscheidet sich, wer in welchem Team ist und welche Position zu bekleiden ist. Zwischenfragen sind zu bestimmten Zeiten vom Plenum aus erlaubt, genauso wie freie Redner, die dreieinhalb Minuten reden dürfen im Gegensatz zu den bis zu doppelt so langen Reden der Hauptredner. Es sind geübte Redner dabei wie Neulinge. Jeder ist Willkommen. Und jeder lernt rhetorisches Handwerkzeug bzw. verfeinert es.

Die Teams entscheiden eigenständig die Reihenfolge ihrer Redner. Der didaktische Aufbau ihrer Rede liegt auch gänzlich in ihrer Verantwortung. Damit die Regeln wie etwa die „geschützte Redezeit“ in der ersten Minute und der letzten Minute der siebenminütigen Rede eines Hauptredners eingehalten werden, ist den Weisungen des Clubvorstands Folge zu leisten. Am Ende der Debatte wird das rhetorisch beste Team gekürt. Zudem wird der Cicero, der beste Sprecher des Abends vom Publikum gewählt. Dieser kann jeder Teilnehmer der Veranstaltung sein, angefangen vom Gastredner bis hin zum Hauptredner. Der Gewinner des Abends erhielt in diesem Fall eine Urkunde sowie ein Buch über die Vereinten Nationen als Hauptpreis. Die Diskussion versteht sich nicht juristisch oder national begrenzt, sondern länderübergreifend. Der Fokus ist allein gelegt auf die rhetorischen Künste der Wettbewerber.

Das Thema des Abends: Ehe für alle

Die Ehe für alle war das Thema des Abends. Die Positionen sind schnell ausgemacht gewesen. Die Contra-Seite hob die historisch-christlichen Wurzeln hervor, verstrickte sich allerdings in viele Widersprüche. Ihr misslang es den Übergang zur Gegenwart zu gewährleisten. Die Pro-Seite stützte sich auf konservative sowie progressive Werte, beleuchtete Themen der Diskriminierung in Dritte-Welt-Ländern und verstand es auch Akzente zu setzen, in dem rhetorische Fragen gestellt wurden wie zum Beispiel: Wer von uns hat nicht das Bedürfnis geliebt zu werden? Liebe ist ein menschliches Grundbedürfnis. Darauf aufbauend gelang es inhaltlich der Pro-Seite zu überzeugen.

Die rhetorische Bewertung des Publikums

Rhetorisch wertete das Publikum die Contra-Seite für den Sieger. Trotz schlechter Argumentation konnten sie rhetorisch teilweise brillieren. Selten abgelesen, frei gesprochen, Emotionen geschürt, das waren Pluspunkte dieses Teams. Die Pro-Seite wirkte teilweise hölzern und zu wenig griffig. In einer Debatte gilt es zu überzeugen – nicht nur mit dem stärkstem Argument, sondern auch emotional wie mit dem Charakter. Dies ist der Contra-Seite zweifelsohne besser gelungen.

Der Cicero

Zum Ende hin wurde noch der Cicero gekürt. Ich trat zum zweiten Mal als Redner bei der AFA an. Debütiert habe ich letztes Jahr im Herbst, also zur gleichen Zeit wie jetzt. Damals gewann ich eindeutig und hatte dies auch mit meinem gesunden Selbstbewusstsein so erwartet. Dieses Mal war mir bewusst, dass es eng wird, da ich zwar aus meiner persönlichen Sicht durchaus am besten gewesen bin,sei es rhetorisch oder argumentativ, doch machte ich Fehler in der zu wahrenden Distanz zum politischen Kontrahenten: Ich wurde zu persönlich gegenüber Muamer Becirovic. Es ist ein schmaler Grad zwischen direktem Angriff und stillosen Sätzen, die unter die Gürtellinie gehen. Selbst wollte ich bei diesem Kontrahenten einen Wortbeitrag leisten, doch dieser Kollege wies mich schroff und stillos mit den Worten ab: „Setzen Sie sich!“. So etwas lasse ich mir kein einziges Mal gefallen. Da schlage ich mit Worten zurück. Und es gelang mir. Zukünftig würde ich allerdings darauf achten, eine galantere Themenwahl zu platzieren, um meinen Gegenüber zu demaskieren. Wir alle lernen dazu und daher bin ich persönlich dankbar für diese Erkenntnis.

Das Ergebnis war denkbar knapp: Mit einer Stimme Vorsprung wurde ich zum Cicero gewählt. Ich darf betonen, dass ich als Deutscher keinen Heimvorteil genieße und weniger als eine Handvoll Zuhörer persönlich kannte. Mein besagter Kontrahent war der erste Verlierer des Abends. Und so verhielt er sich auch. Wahre Gewinner zeigen ihr Gesicht in der Stunde der Niederlage. Denken wir an einen Bastian Schweinsteiger, als er 2012 das Champions-League „Finale dahoam“ verlor. Er richtete sich auf, wurde Champions-League Sieger, Weltmeister und ist wohl auf der selben Stufe wie der Kaiser einzuordnen!  Mein Kontrahent ging stillschweigend heim.

Viele folgten dem Ruf des Clubs und kehrten noch im naheliegenden Wirtshaus Zattl in der Freyung ein. Gesellig tranken wir auf unser aller Wohl. Ein gelungener Abschluss. Und ich bin echt stolz auf meinen Erfolg, den ich ebenfalls Moemen Elroumy und Philipp Lang widme. Als Trio sind wir die Drei Musketiere der Neuzeit: Einer für alle und alle für einen!

Zum zweiten Mal in Folge gewonnen zu haben ist die Bestätigung meines langfristigen Bestrebens zu den besten Rednern des 21. Jahrhunderts zu zählen. Aktuell sehe ich in dieser Liga Gerhard SchröderBarack Obama, Christian Lindner, Patrick Döring und Richard David Precht.

Peace!

Constantin

 

Best Speaker

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Das nächste Seminar „Mit Glaubwürdigkeit präsentieren“ findet am 8. und 9. Dezember 2018 in Hannover statt. Du wirst konkret lernen, freier zu reden als jemals zuvor. Auch wirst du passende Stilmittel und rhetorische Grundlagen verinnerlichen, die dir im Berufs- als auch im Privatleben von großem Nutzen sein werden. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt. Letzte freie Plätze sind noch vorhanden, also nimm gern jetzt Kontakt zu mir auf. Auf deinen Anruf freue ich mich: +49160 410 7777!

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