Der Wiener Debattierclub

Setze Dir immer neue Reize, neue Herausforderungen im Leben. Wieso rate ich Dir das? Aus dem einfachen Grund der persönlichen Weiterentwicklung! Selbst nahm ich beispielsweise in dieser Woche die Herausforderung an und nahm als Redner an einer Debatte zum Thema, ob Politiker sich im Rahmen des Wahlkampfes verpflichten lassen können, dass ihre Aussagen und Forderungen für sie auch nach der Wahl bindend sind, teil. Per Losverfahren wurden die Redner aufgeteilt in Regierung und Oppositon, ich war überzeugter Oppositioneller.

Der Ablauf

Binnen 30 Minuten durfte auf jeder Seite das Konzept stehen, da die Besucher und Juroren pünktlich um 19 Uhr auf den Beginn der Debatte warteten. Die Regierung ließ sich etwas mehr Zeit, doch das diente letztlich unserer aller Entspannung. Dann ging es los: Die Eröffnungsrede der Regierung folgte, sie war ein Plädoyer für ihren Antrag. Die Rede war von „Verbesserung der Demokratie“ und „Pakt mit der Bevölkerung“. Unser erster Redner der Opposition kam etwas nüchtern, doch dennoch argumentativ überzeugend daher, erwähnte die Flüchtlingskrise und untermauerte anhand dieses Beispiels, dass Flexibilität gefordert sei und nicht blinde wie starre Anträge der Regierung. Es folgte ein starker Redner, meines Erachtens der stärkste Redner der Regierung. Fließend und gut auftretend brachte er seine Punkte vor, konnte mit Gewissheit einige im Saal überzeugen. Nun sind meine sieben Minuten Redezeit gekommen – ich streckte mich ein letztes Mal und legte los. Mir hat es große Freude bereitet und die Zuhörer durften final bewerten wie sie meine Rede empfunden haben. Abschließend kamen Einzelredner kurz zu Wort, es folgten Statements der Regierung und Opposition, bis final die Abschlussreden folgten. Zunächst waren wir dran und unser Redner, Muamer, ein geübter Debattierer und ehrenamtlicher Journalist, der schon mit so gut wie jeder großen Persönlichkeit Österreichs redete, machte seinen Job sehr gut. Auch der letzte Redner der Regierung kam positiv bei dem Publikum an.

Das Ergebnis

Das Ergebnis war interessant: Wir gewannen argumentativ, die Regierung sprachlich. Die Juroren kürten für sich einen Cicero, dieser ging an einen Kopf, der selbst einst Vorsteher dieses Debattierclubs gewesen ist und mit einer Kurzrede recht brillierte. Dann fiel das Augenmerk auf das Ergebnis des Publikums, wer nun hier die Nase vorn hatte. Mit Bodenständigkeit, doch auch mit Stolz darf ich verkünden, dass ich gewonnen habe. Es tat sehr gut, als mir noch fremde Menschen auf die Schulter klopften, mir in die Augen sahen und gratulierten, mich lobten. Ich weiß, dass der Cicero eine Tagestrophäe ist, doch er ist und bleibt eine ehrbare Auszeichnung und so setze ich mir auch künftig ähnliche, wenngleich mitunter höhere Reize, um immer mehr zu lernen und mich zu verbessern.

Anhand dieser Erfahrung kannst auch du lernen, dass es auch für Dich immer weiter bergauf gehen kann. Übrigens fiel das ehrlichste Lob von dem Präsidenten, der bei der Debatte mitwirkte. Dieser sagte mir im Anschluss mit felsenfester Überzeugung, dass ich gewiss schon in Debattierclubs aufgetreten sei, da ich nach allen Regeln der Kunst aufgetreten bin und die Attitüden eines geübten Redners aufwies. Es war meine erste Rede im Rahmen einer solch angenehmen Veranstaltung.

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