Dieser Artikel thematisiert die Eckpfeiler einer gelungenen Rede. Viel Vergnügen beim Lesen!

Das Publikum entscheidet

Wie gut eine Rede ist, zeigt sich für gewöhnlich in den Reaktionen des Publikums. So gilt es für den Redner von Anfang an die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – und im gesunden Maße zu erhalten. Doch wie ist dies stilistisch elegant umsetzbar? Der Redner hat die Möglichkeit, erst dann mit seinem Vortrag zu beginnen, bis gefühlt auch der letzte Zuhörer im Saal verstummt und sich in Blickrichtung des Redners zugewendet hat. Diese Methode haben insbesondere Persönlichkeiten mit viel Autorität verinnerlicht. Betreten sie einen Raum, fällt dies im optimalen Fall bereits auf und die Blicke werden auf den Redner von Anfang an gerichtet. Doch auch wenn dem nicht so ist, bewirkt ein Auftreten viel, wenn nicht sofort das Wort ergriffen wird.

In anderen Momenten mag es sinnvoller erscheinen mit der Stimme gleich zu Anfang der Rede zu spielen, etwa mit einer festen, starken, doch gleichzeitig angenehmen Stimme die Begrüßung zu beginnen. Gleich, ob eine Begrüßung erforderlich ist oder nicht, Pluspunkte werden immer gesammelt, wenn das Publikum direkt adressiert wird. So hat der österreichische Bundeskanzler a. D., Sebastian Kurz, dies in jungen Politikerjahren perfektioniert. Ist er auf kleinen wie großen Veranstaltungen präsent, hält eine Rede bzw. kommt erstmals zu Wort, wendet er sich zunächst an seine Zuhörer mit Blickkontakt. Hierbei genügt bereits eine kurze Danksagung, die ihm kontinuierlich große Sympathien einbringen. Zurecht. Jeder Einzelne wünscht sich doch auch gesehen und verstanden zu werden.

Wiederum ist es möglich, als Redner eingangs eine Geschichte aus „dem echten Leben“ kurz nach der Begrüßung zu erzählen, die meist in einem kausalen Zusammenhang mit der Veranstaltung steht. Die Aufmerksamkeit ist einem Redner so sicher, das Publikum fühlt sich sogleich mitgenommen und eine persönliche Ebene wird geschaffen. So manchen Politikern gelingt dies ausgesprochen gut. Besonders verbunden fühlen sich beispielhaft zahlreiche JU-Mitglieder zum derzeitigen Gesundheitsminister, Jens Spahn, aktuell. Einerseits ist dies seinem noch recht jungen Alter geschuldet, andererseits versteht er es beispiellos gut die Stimme einer ganzen Bewegung zu sein. Als beim Deutschlandtag 2018 in Kiel Spahn aufgetreten ist, wurde er mit dem lautesten Beifall begrüßt und verabschiedet. Herrn Spahn kommt nicht zuletzt sehr entgegen, dass er sich bei vielfältigen Themen klar zu positionieren weiß und so Glaubwürdigkeit über Parteigrenzen hinweg gewinnt. Er ist einer der streitbarsten Köpfe der CDU und schafft mit seinen Anekdoten aus dem eigenen Leben eine besondere Nähe zu vielen, die ihm begegnen.  

Es bleibt zu unterstreichen, wie wichtig es ist die Sprache des Publikums und seiner Zuhörer zu sprechen. Die vermeintlich beste wissenschaftlich fundierte Rede trifft auf taube Ohren im Kreis von Bauarbeitern, die kurz und knapp ihre Aufgaben erhalten wollen, statt ausgedehnt die Hintergründe der anstehenden Arbeiten vermittelt zu bekommen.

Diese und noch viele weitere Impulse wie Methoden, deinen Reden Glanz zu verleihen, werden auch bei der nächsten Veranstaltung, „Frei Reden – das Rhetorikseminar in seiner reinsten Form“, am 27.07.2019 in Hamburg erörtert und anhand von Praxisbeispielen verdeutlicht. Sei auch Du gern dabei und melde Dich noch heute an!

Die passende Botschaft übermitteln

Neben der kontinuierlichen Einbeziehung und Berücksichtigung des eigenen Publikums ist es immens wichtig, mit seiner Rede eine Botschaft zu übermitteln. Denken wir an Momente des Zuhörens, bei denen wir uns im Nachhinein fragen, was eigentlich nun Kern der Aussagen des Redners gewesen ist. Ist dies für die Mehrheit des Publikums nicht schlüssig, kann eine stilistisch noch so fein vorgetragene Rede unweigerlich in Vergessenheit geraten.

Das Gegenteil darf Ziel einer Rede sein: Nachhaltig einen Eindruck bei seinen Zuhörern zu hinterlassen. Hierzu bedarf es für gewöhnlich eines roten Fadens in der Rede. Es gibt Anlässe, an denen spontane Reden eine gewisse Struktur weniger benötigen, etwa bei einem Trinkspruch und wenigen Worten, die den Gästen oder dem Gastgeber gelten. Davon abgesehen ist es allerdings wünschenswert, wenn das Ziel einer Rede in wenigen Minuten zu erkennen ist, so dass Zuhörer den jeweiligen Argumenten von Anfang an besondere Aufmerksamkeit schenken können, die etwa die These des Redners zu stützen vermögen. Außerdem ist es nur von Vorteil, wenn der Redner eine klare Sprache spricht und die Intention seiner Rede in der Regel früh zu erkennen gibt. Natürlich gibt es stilistisch und taktisch mitunter Gründe, die Intentionen erst spät oder im Zweifel erst nach einiger Zeit nach einer Rede aufzudecken, gleichwohl ist es gesellschaftlich immer angesehener mit offenen Karten zu spielen. In der Politik wird allerdings selbst in der eigenen Partei dem Nächsten manchmal wenig vertraut, so dass “Hinterzimmergespräche “ oder rhetorische Finten zum Alltag gehören.

Was wird einem Hinterbänkler im Bundestag in den ersten Tagen von alten Hasen zuerst mit auf den Weg gegeben? Sich thematisch festzulegen, um langfristig mit Expertise Eindruck zu hinterlassen. So entschied sich Philipp Amthor beispielsweise zielstrebig für den Innenausschuss sowie den Europaausschuss und fokussierte seine wesentliche politische Arbeit auf diese zwei Fachbereiche. Mit dieser Entscheidung und seiner Persönlichkeit gelang es ihm wie kaum einem Zweiten in der Union, als ein neues Gesicht der Partei in der Gesellschaft  gesehen zu werden.

Mit der eigenen Persönlichkeit punkten

Zum Dreiklang einer gelungenen Rede gehört auch immer, seine eigene Persönlichkeit einzubringen. Wird dies vernachlässigt, bleibt im besten Fall die Botschaft in den Köpfen der Zuhörer. Wird dies berücksichtigt, verdient der Redner nachhaltigen Respekt und baut seine Popularität kontinuierlich aus. Nicht anders ist es zu verstehen, wenn bestimmte Persönlichkeiten einen Raum betreten und mit einem Mal wird nur noch leise getuschelt oder gar aus Respekt geschwiegen. Kraft Amtes mag diese Aura auch kurzfristig anderen Menschen beschieden sein, doch langfristig nur solchen, die für die meisten als charismatisch und einnehmend empfunden werden.

Barack Obama gelang es etwa beispiellos gut im Westen Sympathien mit seinem natürlichen, selbstbewussten und weltoffenen Auftreten zu gewinnen. Mit ihm wird Erfolg verbunden. Der erste farbige Präsident der USA, der erste Präsident, der den Friedensnobelpreis erhielt. Er war auch der erste designierte Präsidentschaftskandidat der USA, dem die Ehre galt, noch vor seiner gewonnen Wahl an der Berliner Siegessäule vor mehr als 200.000 Menschen im Jahr 2008 zu sprechen. Mit seiner Bewegung “Yes, we can” geht er in die Geschichte ein und gewann schon vor präsidialen Würden die Herzen zahlreicher Menschen auf der ganzen Welt. Obama sah sich als einen der Nachfolger von Abraham Lincoln, wollte in seine Fußstapfen mit neuen Impulsen treten und die Bevölkerung lag ihm vor allem in seinem ersten Wahlkampf 2008 und 2009 zu Füßen. In diesem Zusammenhang fuhr er etwa in Anlehnung an Lincoln mit dem Zug durchs Land und punktete mit seiner Persönlichkeit auf ganzer Linie.

Obama ist ein schillerndes Beispiel, ohne Frage. Fest steht, jeder von uns kann für eine gewisse Begeisterung sorgen, indem mit Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit Themen vor einem Publikum vorgetragen werden. Nicht jeder will Kopf einer ganzen Bewegung sein, nicht jeder liebt es ein Bad in der Menge zu nehmen, doch jeder von uns liebt es, gesehen, gehört und verstanden zu werden. Das gilt es persönlich mit jeder Rede zu unterstreichen.

Es ist alles eine Frage der Wertschätzung

Dir gefällt dieser Artikel? Großartig! Wenn du gut findest, was ich schreibe, kannst du mich über Paypal finanziell unterstützen und so auch einen Beitrag leisten, in dem Artikel wie diese in regelmäßigen Abständen ermöglicht werden. Herzlichen Dank!

Aktuelle Termine:

Holler Box