Ein unermüdlicher Geist

Niki Lauda hielt schon oft die Welt in Atem. Mit der Nachricht seines gestrigen Todes wohl ein letztes Mal. Was bleibt von ihm, der doch so viel in einem einzigen Leben erreichte? Mit Sicherheit seine beispiellosen Erfolge als Sportler und Unternehmer. In den Worten seiner Hinterbliebenen wird „sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut“ betont, welche „Vorbild und Maßstab für uns alle“ seien.

Herr Lauda wurde dreimal Formel-1-Weltmeister in den Jahren 1975, 1977 und 1984. Er war der Überlebende eines unfassbaren Feuer-Unfalls 1976 auf dem sagenumwobenen Nürburgring. Der Österreicher wies am Tag des unheilvollen Rennens darauf hin, dass die Wetterumstände ein zu hohes Risiko für alle Fahrer darstellten, doch zu wenige Rennfahrer teilten seine Meinung. Das Risiko wurde in Kauf genommen, wofür Lauda eine zeichnende Rechnung bis zum Ende seines Lebens zu zahlen hatte. Er harrte 55 Sekunden in dem in Flammen aufgegangen Formel-1-Boliden, bis er gerettet wurde. Der Umgang mit diesem Schicksalsschlag ist rückblickend nahezu heroisch: Nur 42 Tage nach dem Unfall stieg er wieder ins Cockpit. Er mag bei dem WM-Duell seinem größten Konkurrenten, James Hunt, in der finalen Wertung 1976 unterlegen gewesen sein, doch wer verdiente bei so einem tragischen Verlauf nicht die größte Anerkennung?

Durch seine Manier, nie ans Aufgeben zu denken, inspirierte Lauda nachhaltig die gesamte Welt. Selbst sagte er später zu seiner Entscheidung, zeitnah wieder in ein Rennen eingestiegen zu sein: „Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheim zu sitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist“. Und Niki Lauda kam zurück. Im darauffolgenden WM-Jahr führte er die Gesamtwertung zum Schluss an und schaffte sich bereits zu Lebzeiten ein sportliches Denkmal.

Nach der sportlichen Karriere ist vor der unternehmerischen Erfolgslaufbahn

Der aus wohlhabenden Hause stammende Lauda wusste nach der Karriere findig und wirtschaftlich klug seine Passion für das Fliegen umzusetzen. Er war nicht nur Pilot, sondern gründete auch seine eigene Airline Lauda Air. Ende der 1990er Jahre verkaufte er die Airline gewinnbringend an den Konkurrenten Austrian Airlines. Im neuen Jahrtausend positionierte er sich noch einmal mit einer neuen Flotte, die unter dem Namen Niki firmierte.

Zwischen 1993 und 1995 beriet er Ferrari, wurde der TV-Experte für RTL und dann Teamchef bei Jaguar. Im September 2012 stieg der Österreicher zum Mercedes-Teamaufsichtsratchef auf und erlebte mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg eine Dominanz der Silberpfeile bis zu seinem letzten Lebenstag.

Für viele bleibt er der Mann, mit der rotten Kappe und den markigen Sprüchen. Seine Nüchternheit, entwaffnende Ehrlichkeit und auch sein eigentümliches Charisma wird ihn posthum auch immer positiv zugeschrieben werden.

Was wir von Niki Lauda lernen können

In nur 70 Lebensjahren vollbrachte er Großes. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass er den medialen Berichten zufolge auch immer ein sorgender Familienvater gewesen ist und sich trotz seiner Erfolge bodenständig Zeit seines Lebens gab. Er geht unbestritten als einer der größten Sportler Österreichs und auch Europas nun in die Geschichte ein.

Was können wir also von so einem dynamischen Zeitgeist lernen? Mit Talent, Fleiß und gnadenloser Disziplin, vollbringt der Mensch Einzigartiges und setzt nachhaltig neue Maßstäbe. Wer von uns würde sich wieder nach kürzester Zeit in sein Auto setzen, wenn er dieses zuvor aufgrund eines schlimmen Unfalls in Flammen verbrannt verlassen hat? Würden wir überhaupt wieder Auto fahren? Wir wissen es nicht. Zu dramatisch erscheint allein der Gedanke, sich dieses Ausmaß real vorstellen zu müssen.

Niki Lauda ist es widerfahren und auch er hätte resignieren können. Seine Schmerzen mussten unfassbar gewesen sein. Folgen der Verletzungen waren immer wieder Probleme mit seiner Niere, die später noch zweimal transplantiert werden musste. Und denken wir an sein Gesicht. Seine Verbrennungen zeichneten ihn seitdem, Haare konnte nicht mehr wachsen und doch vergaß er eines nie: Zu lächeln. Er war sich trotz allem seines Könnens sicher, seiner Liebe zum Motorsport. Auch war er dankbar für all die schönen Erlebnisse und Erfolge, die er auskostete und für ihn mehr zählten als Aussehen und so manche Schmerzen. Er wollte der schnellste Rennfahrer der Welt sein und Lauda schaffte dies nach dem verheerenden Unfall weitere zweimal. Eine enorme Leistung!

Jeder Einzelne hat seine Sicht auf die Dinge der Welt, jeder seine eigene Meinung. Entscheidend ist dabei immer, die des anderen zumindest zu respektieren und sich mitunter inspirieren zu lassen – handeln wir künftig vielleicht etwas mehr, wie es uns Niki Lauda so oft vorgelebt hat: Mutig, entschlossen und unbeirrt! Treten wir für unsere Ziele sein, bleiben wir standhaft und verlieren nie die Bodenhaftung. Streben wir nach Großem und bleiben uns treu, ganz gleich, welche Hürden auch wir in unserem Leben zu nehmen haben. Ein Segen ist es, an Beispielen wie Niki Lauda zu sehen, dass das Prinzip Hoffnung und unbändiger Wille selbst die schlimmsten Tage eines Lebens zwar nicht vergessen machen, doch in der Dramaturgie des menschlichen Erfolgs den größten Antlitz verleihen.

Danke Niki Lauda, ruhe in Frieden.

Holler Box