Wofür stehst du? Und wofür stehst du nicht? Reden wir über gesellschaftliche Themen, positionieren wir uns meist auf die eine oder andere Seite. Schließlich ist es eine Frage der eigenen Haltung. Der nachfolgende Blogpost dreht sich rund um die Thematik der Positionierung. Viel Vergnügen beim Lesen!

 

Haltung zeigen, Haltung bewahren

Noch vor kurzem war Corona so heiß diskutiert, dass es sich selbst die ARD nicht nehmen ließ, über Wochen einen Brennpunkt darüber zu zeigen. Nun ebbt die Pandemie in Europa ab und in den USA entfacht einmal mehr ein gesellschaftlicher Streit über die Achillesferse ihrer Nation: Die historische Diskriminierung der Farbigen und der damit verbundene Rassismus, der bis heute offenkundig andauert. Ende Mai kam es zum Tod von George Floyd, der posthum binnen kürzester Zeit auf der ganzen Welt bekannt geworden ist. Die Ausgangslage war den Nachrichten nach zu urteilen denkbar einfach: Floyd wurde erwischt mit der Bezahlung einer Blüte in einem Lebensmittelgeschäft. Folglich eine Straftat, die allerdings grundsätzlich eher als harmlos angesehen werden kann. Die Reaktion der Polizisten war unmenschlich und der Afroamerikaner musste für seinen Betrug zu unrecht mit dem Leben bezahlen. Das Schicksal Floyds bewegt nun nicht nur ganz Amerika, sondern auch jeden Einzelnen von uns. Die Ereignisse wurden schnell zum Politikum. Eine Debatte über Rassismus und deren Bekämpfung wird verbal, mit Fäusten und mit Tränengas auf amerikanischen Straßen ausgetragen. Die Wut vieler Menschen mündet in friedliche, aber auch gewaltentladende Proteste weltweit. Doch eines wird in diesen Zeiten wieder klar: Es gilt Haltung zu zeigen, Haltung zu bewahren.

Rassismus ist menschenverachtend und wohl jede Nation kann auf ihre Weise ein tragisches Lied darüber singen, welche Taten Menschen einander in der Vergangenheit angetan haben – nur aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihres Glaubens. Als die Pandemie in Europa ihren Höhepunkt erreichte, vertraute die Politik auf die Meinungshoheit mancher Virologen und Institutionen. Es sei dahingestellt, ob die Maßnahmen, insbesondere der Shutdown ganzer Volkswirtschaften, in dieser Dimension verhältnismäßig gewesen ist. Doch bei Rassismus bedarf es keiner Experten, da bedarf es schlicht der Menschlichkeit, die in uns allen ruht. Im Alltag gilt es sich zu positionieren. Nicht nur für dieses wichtige Thema, sondern auch für die eigenen Menschen im Umfeld, die eigenen Ziele, das eigene Leben. Zu oft scheinen Menschen ihr Leben fast als stille Betrachter zu genießen. Sie meiden es anzuecken. Sie meiden es aufzufallen.

 

Sich zu positionieren heißt, sich abzugrenzen

Leuchtende Beispiele sind etwa Gandhi, der für die Gleichberechtigung der Inder gewaltlos eingetreten ist, oder Luther King jr., der bekannteste Sprecher des Civil Rights Movement. Sie haben ihre Stimmen erhoben und traten für ihr und das Recht aller ein – Gleichbehandlung. Nur durch ihre resolute Positionierung fanden sie derart Gehör und eine jeweils beispiellose Gefolgschaft.

Hinsichtlich des Protests gegen die aktuelle Klimapolitik ist dies in jüngster Vergangenheit Thunberg auf unnachahmliche Weise gelungen. Durch ihre „Schulstreiks für das Klima“ versammelte sie mutmaßlich eine ganze Generation hinter sich. Fridays for Future wurde geformt und sie avancierte damit zur Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung. Vom renommierten Time Magazin wurde sie zur Person des Jahres 2019 gewählt und mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Alles in kürzester Zeit.

Blicken wir also auf uns. Auf unseren Alltag. Auf unser Umfeld. Nutzt du die Chancen, die sich dir bieten, deine Meinung zu äußern? Grenzt du dich ab? Schnell fällt auf, dass wir hierfür eine ordentliche Portion Mut aufweisen dürfen. Der rote Teppich wird einem für gewöhnlich nicht zunächst ausgerollt. Doch darauf kommt es auch nicht an. Die Selbstachtung ist ein hohes Gut, welche am ausgeprägtesten ist, wenn du für deine Überzeugungen einstehst. Und dieses Gefühl ist so viel mehr wert als der Applaus Dritter, der vielleicht mit der Zeit eintritt oder eben nicht.

Sich zu positionieren heißt auch, nicht jedem mehr unweigerlich zu gefallen. Dessen können wir uns bewusst sein. So lange wir einander respektieren dürfte dieses Handicap aber auch billigend in Kauf genommen werden. Schließlich magst du wahrscheinlich auch nicht jeden deiner Mitmenschen auf gleiche Weise.

Bist du im Berufs- und Privatleben ein Fähnchen im Wind oder ein Fels in der Brandung? Sich zu positionieren heißt ebenfalls, Farbe zu bekennen. Für andere verlässlich zu sein. Wenn dein Wort Gewicht haben soll, geht dies meist nur, wenn du deine Meinung standhaft heute als auch in Zukunft vertrittst. Wir wünschen uns doch charakterstarke Menschen. Beginnen wir bei uns selbst. Hinterfragen wir unsere Standhaftigkeit und reflektieren, wie wir uns in den Gesprächen des Alltags oft geben. Dein Auftreten ist deine tägliche Visitenkarte bei all den Menschen, die dir begegnen. Hinterlasse positive Spuren.

 

Black lives matter

BLM ist eine im Jahr 2013 entstandene internationale Bewegung, die sich gegen Gewalt gegen Farbige einsetzt und nun global immer mehr in den Vordergrund rückt. Diese Bewegung hat sich auch von Gründungstagen an einer würdigen Mission verschrieben und ist ihren Standpunkten treu geblieben; in Zeiten, als manche Kritiker vielleicht schon sagten, dies sei bereits aus der Zeit gefallen. Doch bei all der Berechtigung friedlicher Proteste gegen Rassismus und unverhältnismäßiger Polizeigewalt sollten wir uns auch prinzipiell gegen Krieg jeglicher Art positionieren – oder nicht? Es scheint fast ein medialer Trend zu werden auf Instagram oder anderen sozialen Kanälen „black screens“ zu teilen und so ein Zeichen der Solidarität zu zeigen. Erstmals wohl in der amerikanischen Geschichte äußerten sich ehemalige US-Präsidenten kritisch gegenüber ihrem Nachfolger – soll heißen, nie geahnte rote Linien wurden gesellschaftlich überschritten. Künstler wie Banksy und viele andere Prominente bekunden ihr Mitgefühl bzw. teilen ihren Unmut gegen Rassismus. Banksy fand hierbei interessante Worte: Der Rassismus gegen Farbige sei ein Problem der Weißen. Mit dieser Meinung steht er sicherlich nicht alleine da.  Doch bei aller Ehrlichkeit schwingt auch eine gewisse inszenierte Solidarisierung mit.

Was ist eigentlich mit den von der westlichen Welt mit verantworteten Kriegen? Denken wir an den Bürgerkrieg in Syrien, der seit 2011 tobt. Die Bilanz ist erschreckend und wirft mehr als nur dunkle Schatten auf unsere Gesellschaften. Fast 400.000 Tote sind zu beklagen, nahezu zwölf Millionen Flüchtlinge kehrten ihrer Heimat den Rücken zu und Frieden ist offenbar nicht in Sicht. Persönlich wundere ich mich jedenfalls manchmal, mit welcher Schlagkraft Demonstranten sich für das Klima oder Bürgerrechte einsetzen. Und der Weltfrieden thematisch zu kurz kommt. Wo sind die Solidarisierungen mit Syrern, die unter den Bomben des Westens und Russlands seit Jahren leiden? Humanitär kann es in diesem Kontext wohl black and all lives matter heißen. Bei all der Positionierung darf folglich klar werden: Das Große und Ganze gilt es nie aus den Augen zu lassen.

Mögen John Lennons Worte einmal Wirklichkeit werden: „Imagine all the people living life in peace. You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.

 

Es ist alles eine Frage der Wertschätzung

Dir gefällt dieser Artikel? Wenn du gut findest, was ich schreibe, kannst du mich über Paypal finanziell unterstützen und so auch einen Beitrag leisten, indem Blogs wie diese in regelmäßigen Abständen ermöglicht werden. Herzlichen Dank!

 

Zukünftige Seminare

Sichere dir jetzt einen Platz bei einem der nachfolgenden Seminare und profitiere vom Frühbucherrabatt i.H.v. 10 % bis zum 31.07.2020!

Ich freue mich, wenn du diesen Beitrag in deinen Netzwerken teilst. Über ein Kommentar von dir bin ich natürlich auch dankbar!